Neue Welt
Freitagskonzert 1
Fr 11/09/26 19:30
Beethovenhalle
Großer Saal
Eliza Bragg Sopran
Alicia Hall Moran Mezzosopran
Steven Bradshaw Tenor
Gabriel Kahane Bariton
Philharmonischer Chor der Stadt Bonn e. V.
Paul Krämer Einstudierung
Beethoven Orchester Bonn
Dirk Kaftan Dirigent
Gabriel Kahane
emergency shelter intake form
für vier Vokalsolist*innen,
Community-Chor und Orchester
(Deutsche Erstaufführung)
2018
+
Antonín Dvorák
Sinfonie Nr. 9 e-Moll op. 95
Aus der neuen Welt
1893
18:45
Konzerteinführung
€ 69 / 59 / 49 / 39 / 29 / 19
inkl. Gebühren
Karten:
Veranstalter:
Beethovenfest Bonn
Was ist das heute, eine »Neue Welt«? Immer wieder sucht das Beethovenfest Bonn nach aktuellen Zusammenhängen, nach neuen Erfahrungen unserer Welt im Konzertsaal, geht bewusst ins Risiko – und das Beethoven Orchester Bonn trägt jedes Jahr mit Gästen wie Moor Mother (Analog Fluids of Sonic Black Holes), Iñigo Giner Miranda (1923) oder Bernhard Schimpelsberger (Great Circles für Percussion und Orchester) dazu bei. Im ersten Freitagskonzert der Saison treffen zwei Blicke auf Amerika aufeinander: ein europäischer Blick auf das Land vor 125 Jahren – und ein inneramerikanischer Blick auf die Gesellschaft von heute. Beide Werke kreisen um dieselbe Frage: Wer darf dazugehören? Was macht Amerika aus – damals, heute, morgen? Als Antonín Dvorák 1893 seine Sinfonie Aus der Neuen Welt schrieb, suchte er das »amerikanische Idiom« nicht in den großen Konzertsälen, sondern in Spirituals und in der Musik der indigenen Bevölkerung. Seine »Neue Welt« ist eine Vision – ein Traum von kultureller Eigenständigkeit und gemeinsamer Identität. Gabriel Kahane sucht anders. In emergency shelter intake form wird ein Aufnahmeformular für eine Notunterkunft zum musikalischen Ausgangspunkt. Bürokratische Sprache wird Klang. Lebensläufe treten hervor. Kahane hört genau hin – mit Empathie, aber auch mit der Schärfe des Wortes. Den berühmten langsamen Satz von Dvoráks Sinfonie durchzieht die Sehnsucht nach Heimat: im Englischhorn-Solo, in den Bläserchorälen, in den atmenden Streicherklängen. Kahane gibt denen eine Stimme, die ihre Heimat verloren haben – oder nicht selbstverständlich erfahren durften. So wird Amerika an diesem Abend zur Projektionsfläche. Nicht als fernes Land, sondern als Spiegel. Die Frage nach Heimat und Zugehörigkeit stellt sich nicht nur dort. Sie beginnt hier. Und vielleicht beginnt genau hier eine »Neue Welt«: wenn wir neu darüber nachdenken, wer dazugehört.
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